
Fortsetzungs - Geschichte > Teil zwei
2 - Lucas Blitzidee
"Liebe Bikefreunde, herzlich willkommen zum Rennen der U11 Mädchen und Knaben. In einer Minute erfolgt der Start. Die Teilnehmer haben vier kleine Runden zu absolvieren. Am Start sind unter anderem …"
Der Speaker zählte nun einige der Fahrerinnen und Fahrer namentlich auf. Dazu wurden die Resultate genannt, welche diese in dieser Saison bereits erzielt hatten. Als Linas Name kam, hörten Dominik und Luca genau hin.
"Oha," meinte Dominik, "Lina hat also bereits einmal gewonnen."
"Jepp! Das hat sie mir gesagt." Luca hatte das kleine Wörtchen mir etwas betont und dabei Dominik mit grossen Augen angesehen.
"Schon gut, du Angeber! Vermutlich hat sie es mir auch erzählt. Ich hab einfach nicht aufgepasst." Damit hatte er Lucas Wissensvorsprung zerlegt. "Jetzt schauen wir lieber, was sie heute macht!"
In diesem Moment erfolgte der Startschuss und die Teilnehmer pedalten los. Bereits nach den ersten zweihundert Metern hatte sich das Feld etwas in die Länge gezogen. Als der Anstieg begann, taten sich zwischen einigen Bikes bereits die ersten Lücken auf.
Lina mit dem dunkelblauen Shirt und dem roten Bike war in der zweiten Gruppe. Das konnten Dominik und Luca von weitem sehen.
Als Lina in der Abfahrt an sechster Position an den beiden vorbeifuhr, feuerten sie ihre Freundin an: "Hopp Lina! Gib Gas! Weiter so! Super!"
Die zwei waren zum ersten Mal an einem Bikebewerb ihrer Klassenkameradin mit dabei. Lina hatte sie eingeladen, weil die zwei immer gewitzelt hatten.
Sie hatten damit angegeben, dass so ein Bikerace doch keine Sache sei. "Das kann jeder!" Sogar sie beide ohne Training würden das locker schaffen und so ähnliche Sprüche.
"Wenn ich mitfahren würde, dann wäre ich am Ende der Sieger." hatte Luca in der letzten Woche geprahlt.
"Es sei denn, ich wäre ebenfalls mit dabei. Denn dann wäre ich zuoberst auf dem Podest," hatte Dominik gekontert. Und so war das Wortgefecht weitergegangen, bis Lina gesagt hatte, sie sollen sich doch anmelden. Oder zumindest einfach mal schauen kommen.
So standen die beiden nun am Ende der Abfahrt, kurz bevor es über die Holzbrücke über den Bach ging. Jetzt, wo Lina mit viel Geschick und grossem Speed an ihnen vorbeigerast war, änderten sie ihre Meinung definitiv. Ihre Klassenkameradin hatte es drauf, echt.
Sie war das erste Mädchen und folglich lag sie auf Position eins.
"Hopp, Lina! Hopp!" feuerten beide sie nochmals an.
Drei Minuten später raste Lina wieder an den beiden vorbei. Sie war inzwischen alleine unterwegs. Immer noch als erstes der Mädchen. Nachdem Dominik und Luca sie lautstark angefeuert hatten, wechselten sie ihren Standort.
"Komm Luca, wir gehen dorthin!"
Dominik zeigte auf eine Stelle weiter oben. In einer Linkskurve in der Wiesenabfahrt war eine Schanze eingebaut. Dort war kurz zuvor einer der führenden Jungs umgefallen. Die Stelle versprach etwas mehr Spektakel.
Lina meisterte sie beide verbleibenden Male perfekt.
Sie hielt ihren Oberkörper schön über dem Bike und drückte das Vorderrad vor der Landung sanft nach unten. Zweimal eine butterweiche Landung. Danach zog sie ihr Bike mit einer leichten Hinterradbremsung auf die gerade Strecke quer zum Hang.
Es war nun klar. Lina würde das Rennen er Mädchen gewinnen.
Dominik und Luca rannten zum Ziel, um ihr zu gratulieren.
"Danke, ihr zwei!" sagte Lina fröhlich lachend. "Ich musste höllisch konzentriert fahren, aber eure Anfeuerungen habe ich gehört."
"Super gemacht, Lina!" sagte Luca.
"Ja," bestätigte Dominik, "wir nehmen unsere Sprüche zurück. Du fährst wirklich sackstark."
Das freute Lina sichtlich.
In diesem Moment kam ihr Papa, grüsste die zwei Jungs und forderte Lina auf, zur Rangverkündigung zu kommen.
"Kommt ihr zwei auch noch?" fragte Linas Papa.
"Nein, sorry!" entschuldigte sich Dominik. "Ich sollte nach Hause. Mein Bruder hat einen LA-Wettkampf und da wollen wir mit der Familie hin. Drum …"
"Alles klar! Bis am Montag in der Schule," sagte Lina, winkte mit der Hand und verschwand in Richtung Zielraum.
Dominik und Luca machten sich auf den Weg zu ihren Velos.
Auf dem Weg dorthin fiel ihnen ein weisser Kastenwagen auf.
Genau genommen war es nicht der Wagen, der auffiel, sondern der Mann, der durch die Reihe der abgestellten Bikes schritt und jedes einzelne genau begutachtete.
Dominik hielt Luca am Arm fest und deutete auf den Mann.
Hinter einer dichten Hecke in Deckung beobachteten die zwei den Typen.
Tatsächlich schritt er langsam die Reihe ab. Bei einem der Räder blieb er länger stehen, setzte einen Bolzenschneider an und knackte das Sicherungsschloss. Dann schob er das Rad zum Kastenwagen, hob es hinein und ging wieder zu den Fahrrädern zurück.
"Ein Velodieb!" flüsterte Dominik Luca zu.
"Oh ja! Auf frischer Tat ertappt", bestätigte Luca mit einem Nicken.
Ein weiteres Rad wurde geknackt und in den Wagen verfrachtet.
Und noch einmal ging der Mann zu den abgestellten Rädern zurück.
"Hast du dein Handy mit dabei?" fragte Luca seinen Freund Dominik.
"Logo!" war die schnelle Antwort.
"Los! Gib's mir!"
"Was? Warum?!" Dominik schaute verdutzt.
"Los! Gib's mir!" beharrte Luca.
Verwundert, aber neugierig legte Dominik sein Handy in Lucas Hände.
"Ist es eingestellt?" fragte Luca.
Kaum hatte Dominik mit einem "Ja!" bestätigt, lief Luca los, an dem Kastenwagen vorbei.
Beim Vorbeilaufen schmiss Luca das Handy in den Wagen und ging unauffällig weiter zu seinem Fahrrad.
Dominik konnte es nicht fassen. Auch er lief nun los in Richtung Fahrrad.
Er schaute zwar in den Kastenwagen hinein, konnte aber nichts machen, denn der merkwürdige Typ kam grad mit seinem dritten gestohlenen Bike zurück.
Dominik erreichte Luca. Er zischte seinen Kumpel an: "Hast du sie nicht alle? Du hast mein Handy in den Wagen geschmissen. Bist du gaga?"
"Nein! Nichts gaga!" antwortete Luca sehr bestimmt.
Mit fester Stimme fuhr er fort: "Du weisst, dass ein Velodieb die Bikes von Linas Eltern gestrazt hat. Das war höchstwahrscheinlich genau dieser Typ hier."
Dominik hörte gespannt zu, als Luca erzählte. "Du hast gesagt, du könntest dein Handy von Zuhause aus tracken. Also: Jetzt fahren wir zu dir nach Hause und schauen, wo dieser Typ mit dem Kastenwagen hinfährt. Dort, wo er hinfährt, da finden wir die gestohlenen Bikes. Alles klar?"
Dominik hatte keine Wahl.
Alles klar. Genau so musste es nun laufen.