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Fortsetzungs - Geschichte  >  Teil drei

3 - Lisa greift ein

Es dauerte keine halbe Stunde und Dominik und Luca kamen bei Dominik zu Hause an. Eilig stiegen sie von ihren Fahrrädern. Die beiden rannten derart ungestüm ins Haus, dass Dominiks Mama fragte, was ums Himmelswillen denn los sei.
"Habt ihr was angestellt und die Polizei kommt jeden Moment um die Ecke? Oder was geht hier ab?"

Luca fand als erster eine Erklärung: "Nein, nein! Wir müssen bloss das Hany von Dominik tracken."

Der fragende Blick seiner Mama machte Dominik klar, dass Lucas voreilige Erklärung nicht besonders gut war. Er gab Luca einen versteckten Knuff in den Rücken.
"Hallo, Mama! Nichts Schlimmes! Es ist bloss so, dass ich das Handy bei Linas Bikerennen habe liegen lassen. Jetzt möchte ich schauen, ob sie es gesehen und mitgenommen hat." Dominik hatte sich das in der Not ganz schnell ausgedacht.

"Ruf doch einfach dein Handy an!" meinte Mama. "Soll ich?"
"Nein!!" Das kam jetzt doch ein bisschen schnell und etwas zu heftig.

"Ich hab's lautlos gestellt. Nützt nichts. Wir machen das schon."

Dominik hatte sich um eine ruhige Stimme bemüht und Mama schien beruhigt.

Dominik sagte ihr noch, dass er sich lieber mit Luca ums sein Handy kümmern und nicht an den Wettkampf seines Bruder mitkommen würde.

Das wurde akzeptiert und die beiden hatten freie Bahn. Der PC stand ihnen zur Verfügung, weil alle anderen wegfuhren.

Super!

 

Bereits nach fünf Minuten hatten sie den Standort ermittelt. Ein blaues Symbol in umgekehrter Tropfenform ploppte in Montlingen auf.
"Komisch!" meinte Dominik. "Das ist ja mitten in einem Wohnquartier."

Luca hatte eine passende Erklärung: "Wahrscheinlich ist der Dieb jetzt dort dran, irgendwelche Bikes zu stehlen."

"Hm! Gut möglich.", meinte Dominik. Die beiden beschlossen, sich sofort auf den Weg zu machen. Vielleicht konnten sie den Velodieb beim Vorbeifahren in Aktion sehen und dann irgendwie die Polizei informieren. Dominik nahm eines der zahlreichen alten Mobilphones mit, welche im Büro im Schrank versorgt waren. Es hatte zwar bloss eine leere Prepaid-SIM-Karte drin, aber für die Notrufnummer 117 müsste es reichen.

Bevor sie losfuhren, schauten sie sich den Standort des Handys nochmals auf der Karte an. Luca erklärte, dass in einem der benachbarten Häuser sein Cousin wohne. Er kenne den Weg dahin, und so rauschten sie los.

Zehn Minuten später kamen die beiden in die Nähe ihres Ziels. Sie fuhren vorsichtig bis an die letzte Hausecke, welche ihnen Deckung bot. Als sie um die Ecke äugten, sahen sie ihn: Der weisse Kastenwagen stand frech vor der Garage des Wohnhauses. Heck- und Seitentüre zu, dafür die Garage weit geöffnet.
"Komm, wir fahren mal schön langsam dran vorbei. Vielleicht können wir den Dieb in der Garage entdecken.", machte Luca den Vorschlag.

"Ja, blöd rumstehen nützt ja schon mal gar nix.", stimmte Dominik zu. "Also dann!"

Schweigend und sehr langsam fuhren die zwei hintereinander am Haus vorbei. Beide hatten sie die Augen auf den Vorplatz gerichtet, wo der Kastenwagen stand. Dieser verdeckte die Sicht auf die Garage für einen Moment. Kaum war der Blick frei, sahen sie ihn: Der Typ vom Veloklau!

Er trug eine Arbeitshose und hatte das Vorderrad eines Bikes in der Hand. Er war gerade dabei, dieses von einem Fahrgestell wegzunehmen, als er zu den beiden Knaben herguckte. Sofort blickte beide geradeaus. Drum merkten sie nicht, dass der Typ jetzt fragend dreinschaute. Als sie ausser Sicht waren, blieb Dominik stehen, Luca hielt dicht daneben ebenfalls an.
"Komisch! Der sieht nicht aus, wie ein Veloklauer.", meinte Dominik.

"Nein! Eher wie ein Familienvater beim Reparieren eines Kindervelos.", liess Luca den Veloklauverdacht fallen.

"Aber das Handy, das muss ich irgendwie wieder an mich bringen.", sagte Dominik bestimmt.

Ohne zu wissen wie, fuhr er wieder zurück. Luca folgte ihm.
Beide sahen, dass der Kastenwagen nun offen war. Vom Mann keine Spur, nicht im Wagen und nicht in der Garage.

"Die Chance!" dachte Dominik und stoppte. Genau in dem Moment krachte es.

Luca, dem das abrupte Bremsmanöver Dominiks entgangen war, fuhr voll auf. Beide fielen um. Ihre beiden Velos machten dabei einen lauten, scheppernden Krach.

Dominiks Chance war damit vorbei, denn in diesem Moment kam der Mann um den weissen Wagen herum und schaute die beiden Unglücklichen fragend an: "Alles in Ordnung? Seid ihr verletzt?"

Beide waren sie so verdattert, dass sie keinen Pieps herausbrachten.

"Sucht ihr etwa Tobias? Der ist auf dem Schulplatz am Fussball spielen.", erklärte der Mann freundlich.

"Definitiv kein Velodieb!" ging es Dominik durch den Kopf.

"Oh ja, Tobias. Den suchen wir. Danke!" brachte Luca einigermassen verständlich heraus, zog Dominik am Arm hoch und schon waren alle beide dabei, auf ihr Rad zu steigen.

"Seid ihr sicher, dass alles in Ordnung ist?" hörten sie den Mann noch fragen, doch die beiden traten bereits kräftig in die Pedale.

 

"Was sollen wir nun machen?" fragte Dominik, und er hörte sich schon fast verzweifelt an.

"Wieso kannst du auch nicht aufpassen, Mann-oh?" haderte Dominik.

"Und wie kommst du auf die Idee, aus voller Fahrt heraus einen Stopp zu reissen, hee?" konterte Luca.

"Ich wollte die Gelegenheit nutzen und in den Kastenwagen steigen.", belehrte Dominik seinen Freund. "In der Zeit hättest du zum Beispiel den Mann ablenken können. Ihn in ein Gespräch verwickeln, so tun, als ob du jemanden suchst oder sowas. Ich hätte mein Handy zurückholen können, welches du idiotischerweise in den Wagen geschmissen hattest."

"Guter Plan, du Superhirn! Vielleicht hättest du mir den vorher erklären sollen!" fauchte Luca zurück.

Danach gab es etwa fünf Minuten lang ein Wortgefecht über supergute und saublöde Ideen. Darauf folgte fünf minütiges Schweigen. Die beiden waren ratlos.

 

Schliesslich meinte Luca: "Das nützt uns jetzt alles nichts. Wir müssen das Handy wieder kriegen. Vielleicht hat Lisa eine Idee."

Lisa war die vierte, welche zu ihrer Gruppe gehörte. Sie war so was, wie die oberste Chefin, das wirkliche Superhirn ihrer Bande. Bereits in ihrem ersten "Fall", als ein Kätzchen verschwunden war und sie es wieder finden konnten, hatte Lisa die Fäden in der Hand gehalten. Sie hatte in jeder Situation eine Idee.

Also fuhren sie zu Lisa. Die war am Lesen und hatte kein Problem, sich für eine abenteurliche Geschichte Zeit zu nehmen. Sie liess sich alles erklären und musste herzhaft lachen, als sie das mit dem Velounfall berichteten.

Nachdem sie ihre Tränen weggewischt hatte, fragte sie: "Und wo ist das genau, das Haus mit dem weissen Kastenwagen?"

Luca beschrieb den Weg. Dominik hatte sich sogar die Adresse gemerkt und sagte, dass dort ein Junge namens Tobias wohnte.

"Los! Fahren wir!" sagte Lisa. Sie sagte das sehr bestimmt und es schien den beiden, als lächelte sie dabei.

 

Die drei blieben hinter derselben Hausecke stehen, wo sich die beiden Jungs schon mal beraten hatten.

Dominik zeigte auf das Haus. Der Kastenwagen stand immer noch dort, aber die Tür hinten war zu.

"Das Haus dort ist es! Siehst du's?" fragte Dominik Lisa. "Mein Vorschlag ist, du gehst jetzt …"

Noch während Dominik sprach, stieg Lisa auf ihr Fahrrad und radelte zu dem Haus. Sie stieg ab, ging zur Haustür, klingelte und verschwand in dem Haus.

Die zwei Jungs standen mit offenen Mäulern da.

Fünf Minuten später öffnete sich die Haustür wieder, Lisa trat heraus. Mit ihr ein anderes Mädchen und beide winkten den Jungs zu, sie sollten herkommen.

"Ich stelle euch vor: Valeria, eine gute Kollegin von mir. Sie wohnt hier in diesem Haus.", sagte Lisa lächelnd.
"Hallo Dominik, hallo Luca!" sprach jetzt Valeria und öffnete mit einem Schlüssel den Kastenwagen. "Bitte, nun dürft ihr offiziell nach dem Handy suchen."

"Mann-oh! Wenn ich gewusst hätte, dass hier eine gute Kollegin von Lisa wohnt, dann wär die Sache von Anfang an anders gelaufen." Man sah Dominik die Erleichterung an.

Valeria hatte eine Taschenlampe mitgebracht und drückte sie Dominik in die Hand. Dieser nahm sie dankend an, kroch in den Kastenwagen und leuchtete damit den Boden ab. Das war nicht ganz so einfach, denn in dem Wagen waren Metallgestelle auf den Boden und an die Seiten geschraubt. Darin waren Dutzende Plastikschubladen mit allerlei Material. Dominik tippte darauf, dass Valerias Papa wohl Sanitärler oder Heizungsmonteur war.

Es dauerte etwa eine Minute, bis Dominik mit seinem Handy wieder rauskam.

"Ui!" meinte er mit grossen Augen,"Bloss noch 7% Akku. Lange hätte es nicht mehr gedauert und ich hätte es nicht mehr orten können."


Es hatte sich herausgestellt, dass Valeria, ihr Bruder Tobias und ihr Papa – der vermeintliche Velodieb – ebenfalls am Bikerennen waren. Tobias hatte dann das Schlüsseletui mit allen Schlüsseln verloren und Papa musste mit dem Bolzenschneider anrücken, um ihre eigenen Velos wieder frei zu kriegen. Das mussten die Minuten gewesen sein, welche Dominik und Luca hinter der Hecke die Szene beobachtet hatten. Logisch, dass sie dachten, der Typ mit dem Bolzenschneider wolle Bikes klauen.

Gerade als Valeria die ganze Story zu Ende erzählt hatte, kam ihr Papa dazu.
"So, ihr zwei! Ihr habt mich also für einen Fahrraddieb gehalten. Herzlichen Dank!" sprach Valerias Papa in ernstem Ton. Als Dominiks Gesicht sich rötlich verfärbte und Luca leer schluckte, musste er laut lachen. "Keine Angst, Jungs! Ich finde es toll, dass ihr aufmerksam gewesen seid. Tipp-topp! Es wäre gut, wenn alle so wachsam wären."

Jetzt wurde die Stimme von Valerias Papa etwas ernster: "Mir ist das E-Bike nämlich tatsächlich weggekommen. Vor ungefähr einer Woche, am hellichten Tag geklaut. Vor der Bude, wo ich arbeite hat es gestanden. Abgeschlossen, wie es sein soll. Und weg, das teure Ding, zusammen mit zwei anderen Fahrrädern von Abeitskollegen. Schlimm, muss ich sagen! Zum Glück hatte es in dem Fahrrad vom einen Kollegen einen Tracker drin. Darum wissen wir, wo das gestohlenen Bike überall war. Mit ein bisschen Glück wird es die Polizei wieder finden."

Nun waren alle drei sehr hellhörig geworden.

Es gab also eine Spur!

Alle drei hatten denselben Gedanken.

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