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Fortsetzungs - Geschichte > Teil eins
Veloklau
Eigentlich war Linas Papa ein ausgeglichener Mensch. Selten laut, immer überlegt und darum kamen kaum je Fluchwörter über seine Lippen.
Doch an diesem frühen Samstagmorgen riss er den Rest der Familie mit einer ganzen Breitseite an unschönen Ausdrücken aus dem Schlaf. Und das unüberhörbar laut.
Es musste irgendwo von draussen kommen. Lina war aus dem Schlaf hochgeschreckt und ans Fenster gespurtet, hatte den Vorhang beiseite geschoben und schaute auf den Vorplatz der Garage. Als sie das Fenster öffnete, vernahm sie Mama, welche zur Garage hergelaufen kam: "Was ums Himmelsgottswillen ist den los?"
"Die Bikes! Unsere Bikes sind weg!" hörte sie ihren Papa sagen. Inzwischen in normaler Lautstärke. Trotzdem tönte ihr Papa etwas verzweifelt.
Kein Wunder! Die Bikes von Mama und Papa waren neu. Keinen Monat alt, grad erst den ersten Service hinter sich.
"Welche Bikes? Alle? Die der Mädchen auch?"
"Nein," sprach Papa. "Die sind noch da."
"Ist sonst etwas weg?" fragte Mama zurück.
Doch das hörte Lina nicht mehr. Sie war bereits unterwegs zur Garage. Sie wollte selber sehen, was da los war.
Im Pyjama rannte sie die Treppe runter, durch die Verbindungstür vom Flur her direkt in die Garage .
Mama und Papa waren damit beschäftigt, alle Regale durchzuchecken, die Werkzeuge zu sichten und die restlichen Fahrräder genauestens zu begutachten.
Lina ging auf ihr Bike zu, um es genauer unter die Lupe zu nehmen.
"Halt, Lina! Fass es nicht an! Da muss zuerst die Polizei ran."
Papa erklärte, dass er jetzt die Kantonspolizei verständige und hoffe, dass sie einen Techniker schicken, um Spuren, Fingerabdrücke, DNA usw. zu sichern. Schliesslich handle es sich um enorm wertvolle Geräte.
Tatsächlich fuhr zwanzig Minuten später ein Polizeiauto vor mit zwei Polizeibeamten, ein Frau und ein Mann.
Die waren sehr freundlich. Sie liessen sich von Linas Papa erklären, wie er die Garage heute Morgen vorgefunden hatte. Inzwischen hatte Mama eine Kanne mit Kaffee und vier Tassen gebracht. Die Beamten lehnten zuerst ab. Nachdem der Papa versichert hat, dass der Kaffee nicht vergiftet und auch nicht als Bestechung gedacht sei, nahmen beide ebenfalls eine Tasse.
Zusammen mit der ganzen Familie wurde nun besprochen, was sonst noch fehlen könnte und ob in der letzten Zeit fremde Personen in der Gegend aufgefallen seien. Denn inzwischen war allen klar geworden: Der Veloklau war kein Zufall!
Warum sonst war die Garage aufgebrochen und genau die zwei neuen, teuren Velos weggekommen? Sonst war nichts durchwühlt und die Dose mit den Zweifränklern auf dem Regal nicht mitgenommen worden. – Die Münzen dienten dazu, den Automaten der Autowaschanlage zu füttern und waren seit jeher auf Augenhöhe auf dem schmalen Holzgestell in der etwas rostigen Dose versorgt. Immerhin etwa 50 Franken. Aus irgendeinem Grund war sogar noch eine Zwanzigernote mit drin. Der oder die Diebe hatten sich scheinbar nicht die Mühe gemacht, sich nach anderen Sachen umzusehen.
Die Velodiebe mussten genau gewusst haben, was sie wollten: Die zwei Bikes, Kaufpreis 8'499 und 14'999 Franken.
Inzwischen war ein weiterer Polizeibeamter mit einem Kastenwagen auf den Vorplatz gefahren. Er untersuchte die Einbruchsspuren und nahm von verschiedenen Stellen in der Garage Proben.
Der Mann von der Spurensicherung war noch da, als die beiden anderen bereits wieder weg waren.
Am Schluss sagte er, dass er nun seine Untersuchung abgeschlossen habe und die Familie wieder alles benutzen und anfassen könne.
Lina setzte sich sofort auf ihr Bike und drehte eine Runde.
Sie war sehr erleichtert, als sie merkte, dass alles noch in Ordnung war mit ihrem Bike.
Schliesslich hatte sie morgen ein Rennen.
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